Dr. med. Georg Weißenborn

Chemotherapie

Der Begriff „Chemotherapie“ weckt in den meisten Menschen erst einmal unangenehme Gefühle. Allein schon der Wortteil„Chemo“ wird mit Gift und Vergiftung des Körpers gleichgesetzt und nicht selten befürchten Betroffene, schwere Nebenwirkungen wie Haarausfall oder unstillbares Erbrechen in Kauf nehmen zu müssen.

Richtig ist, dass stark wirksame Medikamente wie Chemotherapeutika auch Nebenwirkungen hervorrufen können. Richtig ist aber auch, dass wir diese heute viel besser als früher kontrollieren können. Um Ihnen manche unberechtigte Angst zu nehmen, möchte ich daher einige der häufigen Fragen zur Chemotherapie beantworten.

1. Was ist eigentlich „Chemotherapie“?

Chemotherapie ist neben anderen medikamentösen (z.B. Antikörpern) oder nicht-medikamentösen (z.B. Operation oder Strahlentherapie) Behandlungsformen eine Möglichkeit, eine Krebserkrankung wirksam zu bekämpfen. Hierbei werden die Chemotherapie-Medikamente (Zytostatika) manchmal in Tablettenform (oral), meist jedoch über das Blutgefäßsystem (intravenös) verabreicht. Diese Darreichungsformen haben den großen Vorteil, dass die Zytostatika mit dem Blutstrom Zugang zum gesamten Körper erlangen und überall Krebszellen angreifen und vernichten können. Eine Operation oder eine Strahlentherapie sind dagegen Maßnahmen, die in ihrer Wirkung lokal begrenzt bleiben.

2. Wie wirken Zytostatika?

Krebszellen sind in aller Regel sehr teilungsaktive Zellen und können sich rasch vermehren. Chemotherapie-Medikamente (Zytostatika) hemmen diese Vermehrungsfähigkeit und können dadurch ein Absterben vom Krebsgeschwulsten oder Tochtergeschwulsten (Metastasen) bewirken. Denn wenn sich eine Ansammlung von Krebszellen nicht mehr vermehren kann, muss sie zwangsläufig absterben.
Leider wirken Zytostatika nicht ausschließlich auf die Krebszellen ein, sondern können auch gesunde Zellen des Körpers schädigen, wenn sie sich ähnlich rasch wie Krebszellen vermehren. Hieraus resultieren die möglichen Nebenwirkungen einer Chemotherapie (s.u.).

3. Mit welchen Nebenwirkungen müssen Sie rechnen, wenn eine Chemotherapie durchgeführt werden muss?

Zunächst einmal ist mir wichtig, Ihnen mitzuteilen, dass sich viele der Nebenwirkungen, die eine Chemotherapie früher zur Tortur machten, heute weitgehend beherrschen lassen. So stellten Übelkeit und Erbrechen bis noch vor wenigen Jahren ein nahezu unlösbares Problem dar. Heute kann die Häufigkeit dieser Nebenwirkungen durch Begleitmedikamente so gesenkt werden, dass der weitaus größte Teil der Behandelten nicht mehr erbrechen muss. Selbstverständlich sind diese Begleitmedikamente auch Teil des Therapieplanes, den ich für jeden meiner Chemotherapie-Patienten individuell zusammenstelle.

Nicht zuletzt wegen der deutlich verbesserten Verträglichkeit können heute über 90 Prozent aller Chemotherapien unter ambulanten Bedingungen durchgeführt werden, während Patienten früher dazu in ein Krankenhaus mussten.

Haarausfall durch Chemotherapie ist noch immer ein ungelöstes Problem. Wichtig ist mir jedoch die Feststellung, dass bei weitem nicht jede Chemotherapie Haarausfall verursacht. Ob bei Ihnen eine Chemotherapie durchgeführt werden muss, bei der mit Haarausfall zu rechnen ist, werden wir gesondert besprechen. Sollte es zu Haarausfall kommen, können Sie, wenn Sie das wünschen, eine Perücke auf Rezept bekommen.

Daneben können auch andere Nebenwirkungen auftreten, wie z.B. eine gewisse Müdigkeit an den ersten Tagen nach der Behandlung, entzündliche Haut- oder Schleimhautveränderungen oder Blutbildveränderungen, sodass während der Therapie Blutbildkontrollen bei Ihrem Hausarzt oder in unserer Praxis erforderlich sind.

Welche Nebenwirkungen auftreten können, wie wir gemeinsam diese so gering wie möglich halten können, was Sie selber auch dafür tun können, dass möglichst wenig Nebenwirkungen auftreten, werden wir vor Therapiebeginn ausführlich miteinander besprechen.

4. Wie läuft die Chemotherapie ab?

In aller Regel muss die Chemotherapie mehrfach durchgeführt werden, um Krebszellen nachhaltig zu bekämpfen. Deshalb werden die meisten Behandlungen in unterschiedlichen Zeitabständen (z.B. wöchentlich, oder alle 2, 3, oder 4 Wochen) wiederholt. Die Therapiedauer ist unterschiedlich und hängt z..B. von der Erkrankung und dem Stadium der Erkrankung ab, beträgt aber nicht selten 4 bis 6 Monate. Wenn bei Ihnen eine Chemotherapie durchgeführt werden muss, werde ich Ihnen Ihren Therapieplan genau erklären.

Meine Therapiepatienten kommen in der Regel zwischen 8.00 Uhr und 8.30 Uhr in die Praxis. Zu Hause sollte ein leichtes Frühstück eingenommen werden, Getränke sind in den Behandlungsräumen der Praxis vorhanden. Die Behandlungsdauer ist unterschiedlich und reicht von 30 Minuten bis zu mehreren Stunden, je nachdem welche Medikamente eingesetzt werden und welche Erkrankung behandelt wird. In den Behandlungsräumen der Praxis haben wir bequeme Therapieplätze mit modernen Behandlungsstühlen und allem Komfort. Sie haben außerdem die Möglichkeit, über Kopfhörer Musik zu hören, Zeitschriften zu lesen, oder fernzusehen, wenn Sie dies wünschen.

In regelmäßigen Abständen werden Zwischenuntersuchungen durchgeführt (Butuntersuchungen, Sonographien, manchmal auch Röntgenuntersuchungen oder Computertomographien), um den Erfolg der Behandlung zu dokumentieren. Hierzu dient auch eine Abschlussuntersuchung nach dem Ende der Therapie. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden mit Ihnen ausführlich besprochen.

Sollten Sie noch weitere Fragen über die Chemotherapie haben, so zögern Sie nicht, sich an mich zu wenden.

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